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#  Wundheilung beim Hund: Fokussierte Stosswellentherapie bei komplexen Wunden

  Donnerstag, 17. September 2026

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Bei komplexen Wunden kann die fokussierte Stosswellentherapie die tierärztliche Behandlung als Teil eines multimodalen Konzepts ergänzen. Dies zeigt ein von der Rehabilitationsspezialistin Kirsten Häusler dokumentierter Fall einer Deutschen Schäferhündin, bei der während der Schienenversorgung einer Zehenfraktur eine offene Wunde am Tarsalgelenk entstand.

Schienen und Verbände sind bei bestimmten Verletzungen notwendig, um betroffene Strukturen zu schützen und zu stabilisieren. Gleichzeitig können Druck, Reibung und Feuchtigkeit die Haut belasten. Entsteht dadurch eine Wunde, kommt zur ursprünglichen Verletzung eine zusätzliche Herausforderung für Behandlung und Rehabilitation hinzu.

Besonders anspruchsvoll kann die Situation sein, wenn die Wunde im Bereich eines Gelenks oder Sehnenansatzes entsteht. Neben der Wundversorgung sind dann auch die Funktion der angrenzenden Strukturen und die Rehabilitation der ursprünglichen Verletzung zu berücksichtigen.

## Warum die Lage der Wunde eine Rolle spielt

Der Heilungsverlauf einer Wunde wird nicht nur durch ihre Grösse und Tiefe, sondern auch durch ihre anatomische Lage beeinflusst. Befindet sich die Wunde in der Nähe eines Gelenks oder Sehnenansatzes, wird das betroffene Gewebe bei nahezu jeder Bewegung beansprucht. Gleichzeitig kann eine längere Ruhigstellung die Beweglichkeit der umliegenden Strukturen beeinträchtigen.

Bei der Behandlung müssen deshalb sowohl die Wiederherstellung der Hautintegrität als auch die Funktion der angrenzenden Strukturen berücksichtigt werden. Regelmässige Kontrollen von Haut, Polsterung und Verband sind wichtig, um mögliche Belastungen frühzeitig zu erkennen.

## Fokussierte Stosswellentherapie als ergänzende Behandlungsoption

Bei komplexen oder verzögerten Heilungsverläufen können physikalische Therapieverfahren die tierärztliche Wundversorgung ergänzen. Sie ersetzen jedoch weder die fachgerechte Beurteilung der Wunde noch notwendige Massnahmen wie Reinigung, Infektionskontrolle, Wundabdeckung und ein angepasstes Verbandmanagement.

Bei der fokussierten Stosswellentherapie werden mechanische Impulse gezielt in das Gewebe eingebracht. Die Zellen reagieren auf diese Reize und wandeln sie in biologische Signale um. Dieser Prozess wird als Mechanotransduktion bezeichnet. Experimentelle Untersuchungen und Erkenntnisse aus der Humanmedizin beschreiben in diesem Zusammenhang verschiedene biologische Prozesse, deren Übertragbarkeit und klinische Bedeutung für die Wundbehandlung beim Tier jedoch individuell zu bewerten sind:

- Stimulation der Zellpermeabilität1
- Verbesserte Gewebeversorgung durch Ausschüttung von eNOS2
- Freisetzung von Wachstumsfaktoren (z. B. VEGF)2
- Zellregeneration Aktivierung von Stammzellen und damit verbundene regenerative Prozesse3
- Verbesserte Durchblutung durch Angiogenese4
- Antibakterieller und entzündungshemmender Effekt5

Wie die fokussierte Stosswellentherapie innerhalb eines multimodalen Behandlungskonzepts praktisch eingesetzt werden kann, zeigt das folgende Fallbeispiel.

## Fallbeispiel: Wunde am Tarsalgelenk einer Schäferhündin

Bei Quibble, einer fünfjährigen Deutschen Schäferhündin, entstand während der mehrwöchigen Schienenversorgung einer Zehenfraktur eine offene Wunde am Tarsalgelenk. Reibung, verrutschte Polsterung und eingedrungene Feuchtigkeit hatten die Haut belastet. Aufgrund der Lage am Calcaneus und nahe dem Achillessehnenansatz bestand zudem eine Schwellung in einem funktionell sensiblen Bereich.

In Abstimmung mit der behandelnden Tierklinik wurde auf eine erneute starre Schienung verzichtet und die Wundversorgung angepasst. Begleitend kam eine Kombination aus Low-Level-Lasertherapie und fokussierter Stosswellentherapie zum Einsatz. Die Wunde wurde zunächst mit einem Klasse-3b-Laser behandelt. Anschliessend wurde die fokussierte Stosswelle über ein steriles Gel-Pad appliziert. Die Stosswellenbehandlung erfolgte mit 1000 Pulsen, einer Energieflussdichte von 0,07 bis 0,1 mJ/mm2 und einer Frequenz von 6 Hz. Insgesamt wurden sechs Sitzungen durchgeführt.\*

Im dokumentierten Behandlungsverlauf schloss sich die Wunde. Gleichzeitig ging die Umfangsvermehrung am Calcaneus zurück. Die Funktion des betroffenen Hinterbeins wurde zusätzlich mittels objektiver Ganganalyse kontrolliert. Da mehrere Massnahmen kombiniert wurden, lässt sich der beobachtete Verlauf nicht einem einzelnen Therapiebestandteil zuordnen.

## Was zeigt der Fall für die Praxis?

Das Fallbeispiel verdeutlicht, dass bei Wunden an Gelenken und Sehnenansätzen neben der Hautverletzung auch ihre Ursache, die anatomische Lage und mögliche funktionelle Auswirkungen berücksichtigt werden sollten. Regelmässige Kontrollen von Schienen und Verbänden sind wichtig, um Belastungen durch Druck, Reibung oder Feuchtigkeit frühzeitig zu erkennen.

Der dokumentierte Verlauf veranschaulicht, wie Wundversorgung, Low-Level-Lasertherapie, fokussierte Stosswellentherapie und funktionelle Verlaufskontrollen innerhalb eines multimodalen Behandlungskonzepts eingesetzt wurden.

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\*Die verwendeten Parameter beschreiben einen individuellen Fall und stellen keine allgemeine Therapieempfehlung dar.

## Literatur

1. Huang, C., et al. (2013). Mechanotherapy: revisiting physical therapy and recruiting mechanobiology for a new era in medicine. Trends in Molecular Medicine, 19(9), 555 – 564. [https://doi.org/10.1016/j.molmed.2013.05.005](https://doi.org/10.1016/j.molmed.2013.05.005 "Studie zur Mechanotherapie und Mechanobiologie: Mechanische Kräfte und Stosswellentherapie")
2. Ha, C. H., et al. (2013). Extracorporeal shock wave stimulates expression of the angiogenic genes via mechanosensory complex in endothelial cells: Mimetic effect of fluid shear stress in endothelial cells. International Journal of Cardiology, 168(4), 4168 – 4177. [https://doi.org/10.1016/j.ijcard.2013.07.112](https://doi.org/10.1016/j.ijcard.2013.07.112 "Studie zur Stosswellentherapie und Angiogenese: Förderung angiogener Genexpression in Endothelzellen")
3. Weihs, A. M., et al. (2014). Shock wave treatment enhances cell proliferation and improves wound healing by ATP release-coupled extracellular signal-regulated kinase (ERK) activation. The Journal of Biological Chemistry, 289(39), 27090 – 27104. [https://doi.org/10.1074/jbc.m114.580936](https://doi.org/10.1074/jbc.m114.580936 "https://doi.org/10.1074/jbc.m114.580936")
4. Mittermayr, R., et al. (2011). Extracorporeal shock wave therapy (ESWT) minimizes ischemic tissue necrosis irrespective of application time and promotes tissue revascularization by stimulating angiogenesis. Annals of Surgery, 253(5), 1024 – 1032. [https://doi.org/10.1097/sla.0b013e3182121d6e](https://doi.org/10.1097/sla.0b013e3182121d6e "Studie zur Stosswellentherapie bei Ischämie: Förderung der Angiogenese und Revaskularisierung von Gewebe")
5. Moretti, B. et al. (2008). Extracorporeal shock waves down-regulate the expression of interleukin-10 and tumor necrosis factor-alpha in osteoarthritic chondrocytes. BMC Musculoskeletal Disorders, 9(16), 1471 – 2474. [https://doi.org/10.1186/1471-2474-9-16](https://doi.org/10.1186/1471-2474-9-16 "Studie zur Stosswellentherapie bei Arthrose: Einfluss auf IL-10 und TNF-alpha in osteoarthritischen Knorpelzellen")

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