Anwendung von ESWL bei grossen Harnsteinen: Klinische Erkenntnisse zur nicht-invasiven Behandlung
Können grosse Harnsteine ohne chirurgischen Eingriff und ohne Anästhesie sicher und wirksam behandelt werden?
Die klinische Erfahrung aus mehr als 2 000 Behandlungen mit Extrakorporaler Stosswellenlithotripsie (ESWL) zeigt, dass moderne Stosswellentechnologie wie der MODULITH® SLX-F2 »FD21« selbst dichte oder ungewöhnlich geformte Steine mit einer Grösse von 1 cm oder mehr zuverlässig fragmentieren kann – und zwar in vielen Fällen in nur einer einzigen Sitzung. Ein strukturiertes Protokoll, das eine präventive Harnleiterschienung umfasst, bietet gute klinische Ergebnisse ohne Bedarf an invasiven Eingriffen.
In diesem Fachbeitrag berichten Dr. Nika Gagoshidze und Professor Guram Karazanashvili vom Karazanashvili Robotic Center im georgischen Tiflis über ihre klinischen Erkenntnisse und erläutern, weshalb die ESWL selbst bei komplexen Harnsteinen nach wie vor eine zuverlässige Erstlinienbehandlung darstellt.
Klinische Ergebnisse mit ESWL bei grossen Harnsteinen
Wie wirksam ist die Extrakorporale Stosswellenlithotripsie bei der Behandlung von Harnsteinen mit einer Grösse von 1 cm oder mehr – und kann sie die Notwendigkeit für eine erneute Behandlung zuverlässig verringern? Wir wollten diese Frage in unserem klinischen Setting mithilfe eines strukturierten Behandlungsprotokolls und moderner ESWL-Technologie beantworten. Bei 2 000 Behandlungen haben wir festgestellt, dass selbst grosse, dichte oder ungewöhnlich geformte Steine in nur einer einzigen Sitzung erfolgreich behandelt werden konnten – ganz ohne Anästhesiebedarf und mit minimalen Komplikationen. Unsere Daten und klinischen Erfahrungen untermauern, dass die ESWL eine sichere, nicht-invasive Erstlinienbehandlung für komplexe Harnsteine ist.
Eine einzige Sitzung reicht in vielen Fällen aus – und zwar unabhängig von Steingrösse und -dichte
Mit dem Lithotripter MODULITH SLX-F2 »FD21« haben wir ein breites Spektrum an Steinen behandelt, darunter:
- 780 Nierensteine mit einer Grösse von 1–2 cm
- 326 Nierensteine mit einer Grösse von 2–5 cm
- 10 Nierensteine mit einer Grösse von über 5 cm
- 135 Harnleitersteine mit einer Grösse von 1–2 cm
Es sollte beachtet werden, dass die medizinischen Leitlinien der European Association of Urology die perkutane Nephrolithotomie (PNL) als Erstlinienbehandlung und die ESWL als Zweitlinienbehandlung für Steine mit einer Grösse von 2 bis 5 cm empfehlen. Folglich wurde gemäss Leitlinienstandard Patienten mit Steinen mit einer Grösse von 2 bis 5 cm die PNL als erste Behandlungsoption und die ESWL als zweite Behandlungsoption angeboten. Im Falle von Steinen mit einer Grösse von mehr als 5 cm wurde den Patienten grundsätzlich eine chirurgische Behandlung angeboten. In der Regel fiel unsere Wahl bei Patienten mit hohem Risiko für chirurgische Komplikationen oder resistenten Infektionen auf die ESWL.
Von diesen Fällen wiesen 1 238 Steine eine Dichte von über 1 000 Hounsfield-Einheiten auf, konnten jedoch effizient fragmentiert werden. Insgesamt erreichten 76,2 % der Patienten nach einem Monat Steinfreiheit, weitere 20,6 % nach drei Monaten und 1,7 % nach sechs Monaten. Lediglich 84 Patienten (4,2 %) benötigten eine erneute Behandlung. Die Patienten wurden als steinfrei eingestuft, sobald auf Aufnahmen mit dem Röntgen-Flachbilddetektor keine Restfragmente mehr zu erkennen waren. Die Steinfreiheitsraten wurden einen, zwei und drei Monate nach der Behandlung beurteilt.

Höhere Sicherheit durch präventive Harnleiterschienung
Zur Verringerung des Risikos einer Harnleiterobstruktion durch wandernde Fragmente wurden in 1 366 Fällen vor Anwendung der ESWL Harnleiterschienen eingebracht. Dieser Ansatz erwies sich als sicher und wirksam. Es sollte beachtet werden, dass bei keinem Patienten ein Nierenhämatom oder eine Sepsis auftrat und nur in 17 Fällen eine endoskopische Nachuntersuchung auf Restfragmente im Harnleiter notwendig war.
Diese Daten untermauern, dass die ESWL nicht nur eine wirksame Methode ist, sondern auch eine risikoarme Behandlungsalternative zu invasiven Verfahren darstellt.
Eine patientenfreundliche Option zur Steinbehandlung
Im Vergleich zu chirurgischen Behandlungsmethoden wie PNL oder Ureteroskopie (URS) bietet die ESWL einen deutlichen Nutzen bei Invasivität, Genesung und Patientenkomfort. Bei ihrer Anwendung werden Allgemeinanästhesie, Spitalaufenthalte und längere Ausfallzeiten vermieden.1
Vorteile unseres ESWL-Protokolls:
- Nicht-invasive ambulante Behandlung
- Keine Allgemeinanästhesie erforderlich
- Hervorragende Behandlungsergebnisse nach einer einzigen Sitzung
- Minimale Komplikationen im Anschluss an die Behandlung
- Hohe Akzeptanz durch die Patienten
Fazit: ESWL spielt eine differenzierte Rolle auf dem Gebiet der modernen Steinbehandlung
Unsere Erfahrungen mit dem MODULITH SLX-F2 »FD21« zeigen, dass beim Einsatz der ESWL – sofern ein strukturiertes Protokolls angewendet wird und eine adäquate Patientenauswahl erfolgt – selbst bei grossen und dichten Harnsteinen hohe Erfolgsquoten erreicht werden können. In unserem klinischen Setting wurden konsistente Behandlungsergebnisse ohne Allgemeinanästhesie oder invasive Eingriffe erzielt, unterstützt durch präventive Harnleiterschienung.
Es ist dabei anzumerken, dass die in randomisierten Studien beobachteten kurzfristigen Behandlungsergebnisse – einschliesslich aktueller Daten zum Vergleich der ESWL mit flexibler Ureteroskopie (fURS) bei Steinen mit einer Grösse von 10–20 mm – bei fURS in den ersten Wochen nach der Behandlung häufig höhere Steinfreiheitsraten zeigen.1 Allerdings scheinen die langfristigen Wirksamkeits- und Sicherheitsprofile vergleichbar zu sein. Zudem kann die ESWL einen Nutzen im Hinblick auf Patientenkomfort, geringere Schmerzen und bestimmte Lebensqualitätsparameter bieten.
Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung fallspezifischer Behandlungsentscheidungen, bei denen sowohl der klinische Kontext als auch umfassendere Evidenzdaten berücksichtigt werden, und stützen die anhaltende Bedeutung der ESWL als nützliche nicht-invasive Option zur Steinbehandlung.
1 Erdoğan E, Kanberoğlu AF, Aşık A, Sarıca G, Sarica K. Outcomes of 10–20 mm Renal Stones: SWL vs. Flexible Ureteroscopy. Urologia Internationalis 2025 Mar 7: 1-7. DOI: 10.1159/000545108