Stosswellentherapie nach Achillessehnen-OP: Vorteile bei Ansatztendinopathie

Stosswellentherapie nach Achillessehnen-OP: Vorteile bei Ansatztendinopathie

Was ist eine Ansatztendinopathie der Achillessehne?

Die Ansatztendinopathie der Achillessehne ist eine häufige Ursache für Schmerzen im hinteren Fersenbereich und betrifft sowohl Freizeit- als auch Leistungssportler. Während konservative Therapien oft im Vordergrund stehen, kann in schweren Fällen eine Operation notwendig werden. Die postoperative Erholungsphase gestaltet sich jedoch häufig langwierig – im Durchschnitt dauert es rund sieben Monate, bis Betroffene wieder voll belastbar sind.

Welche Therapieoptionen gibt es nach einer Achillessehnen-Operation?

Für Betroffene mit einer Ansatztendinopathie der Achillessehne ist die Phase nach einer Operation oft mit längeren Einschränkungen in Alltag und sportlicher Aktivität verbunden. Neben der standardisierten postoperativen Rehabilitation werden zunehmend ergänzende Therapieoptionen diskutiert, um die Regeneration zu unterstützen und die Rückkehr zur Belastbarkeit zu beschleunigen. Welche Rolle dabei die Stosswellentherapie spielen kann, beleuchtet die folgende Studie.

Stosswellentherapie nach Achillessehnen-Operation

Eine aktuelle Fall-Kontroll-Pilotstudie von Saxena et al. liefert nun Hinweise darauf, dass die Kombination aus fokussierter Stosswellentherapie – hier abgekürzt als ESWT – und radialer Stosswellentherapie – hier abgekürzt als RPW – den Heilungsverlauf nach einer Operation beschleunigen kann. Der Begriff radiale Stosswellentherapie ist in der Praxis geläufig, physikalisch korrekt wäre jedoch radiale Druckwellentherapie (radial pressure wave therapy).

Theorie: Einfluss der Stosswellentherapie (ESWT und RPW) auf die Rehabilitation nach Achillessehnen-Operation

Sowohl ESWT als auch RPW regen nachweislich die Durchblutung an, stimulieren die Zellaktivität und fördern die Freisetzung von Wachstumsfaktoren. Die fokussierte ESWT erreicht gezielt auch tiefere Gewebeschichten, während die RPW vor allem oberflächennah wirkt. Werden beide Verfahren in einem individuellen Therapiekonzept eingesetzt, können sich die jeweiligen Effekte ergänzen – mit dem Ziel, Regenerationsprozesse zu unterstützen, Entzündungen zu modulieren und Schmerzen zu reduzieren.

Studiendesign und Methodik

In die Untersuchung eingeschlossen wurden alle zwischen Januar 2015 und November 2021 operierten Fälle einer Ansatztendinopathie der Achillessehne, durchgeführt von demselben Chirurgen. Alle Patienten durchliefen ein identisches standardisiertes Rehabilitationsprotokoll mit initialer Nichtbelastung, gefolgt von schrittweiser Mobilisation sowie späterer Physiotherapie, das ausschliesslich postoperativ durchgeführt wurde. Eine standardisierte medikamentöse Behandlung wurde nicht beschrieben.

Die Interventionsgruppe erhielt zusätzlich perioperativ zwei bis drei Sitzungen ESWT und/oder RPW mit folgenden Parametern:

  • ESWT: 0,15 mJ/mm², 2500 Impulse, 6 Hz
  • RPW: 2,4 bar, 2500 Impulse, 11 Hz

Diese Behandlungen (ESWT/RPW) erfolgten je nach Fall vor, nach oder sowohl vor als auch nach der Operation.

Als primärer Endpunkt galt die Zeit bis zur Rückkehr zu sportlicher Aktivität (Return to Activity, RTA), definiert als Zeitpunkt der Wiederaufnahme sportlicher Aktivität und anhand der Krankenakte beim letzten Follow-up. Eine Differenzierung nach Sportart oder Belastungsniveau wurde nicht vorgenommen. Sekundärer Endpunkt war der klinische Status bei der letzten Nachuntersuchung, gemessen mit der Roles-and-Maudsley-Skala (RM-Skala). Die RM-Skala bildet eine globale Selbsteinschätzung der Patienten ab, die Schmerz und funktionelle Belastbarkeit in Kategorien zusammenfasst von exzellent (keine Schmerzen, volle Aktivität) bis schlecht (Schmerzen auch in Ruhe, deutliche Einschränkung).

Ergebnisse: Deutlich schnellere Rückkehr zur sportlichen Aktivität

Die Auswertung ergab, dass Teilnehmende, die zusätzlich zur Operation eine Stosswellentherapie erhielten, im Mittel rund 1,3 Monate früher wieder sportlich aktiv waren als die Vergleichsgruppe ohne diese Zusatzbehandlung (5,5 statt 6,8 Monate). Dieser Unterschied war statistisch signifikant (p = 0,02) und deutet auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der ergänzenden Therapie und einer schnelleren Rückkehr zu sportlicher Belastung hin.

Beim klinischen Beurteilungswert auf der Roles-and-Maudsley-Skala (RM-Score) schnitt die ESWT/RPW-Gruppe tendenziell ebenfalls besser ab. Zwar erreichte dieser Unterschied keine statistische Signifikanz (p = 0,07), jedoch weist der Trend auf potenziell positive Effekte hin, die in grösser angelegten Studien weiter untersucht werden sollten.

Fazit und Ausblick

Die Ergebnisse legen nahe, dass eine perioperative Behandlung mit ESWT und RPW die Zeit bis zur Rückkehr zur sportlichen Aktivität nach einer Operation bei Ansatztendinopathie der Achillessehne verkürzen kann. In der Diskussion wird angemerkt, dass eine schnellere funktionelle Erholung potenziell positive Effekte auf das allgemeine Wohlbefinden während der Genesungsphase haben könnte, auch wenn die Lebensqualität in dieser Studie nicht direkt erhoben wurde.

 

Saxena A, et al. Extracorporeal shock wave therapy (ESWT) and radial pressure waves (RPW) may improve post-operative recovery following insertional Achilles tendon surgeries: a case-control pilot study. J Orthop Surg Res. 2025;20(1):751. doi:10.1186/s13018-025-06165-5

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