Transkranielle Pulsstimulation (TPS) als nicht‑invasive Hirnstimulation bei Parkinson
Aktueller Forschungsstand und Perspektiven für Betroffene
Die Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen stellt Betroffene, Angehörige und die Medizin vor grosse Herausforderungen. Neben medikamentösen Therapien gewinnen daher nicht-invasive, ergänzende Ansätze zunehmend an Bedeutung. Einer dieser Ansätze ist die Transkranielle Pulsstimulation (TPS), die bislang bereits bei Patienten mit Alzheimer-Erkrankung eingesetzt wird.
Aktuelle Studien aus den USA und Italien richten den Fokus nun auf die Parkinson-Erkrankung. Erste Ergebnisse zeigen, dass TPS bei Parkinson möglicherweise sowohl motorische Symptome wie Zittern und Bewegungsverlangsamung als auch nicht-motorische Beschwerden wie Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen beeinflussen könnte.
Transkranielle Pulsstimulation (TPS) bei Parkinson: Neue Impulse aus der Forschung
TPS wird bereits bei neurologischen Patienten mit Alzheimer-Erkrankung als ergänzende Therapie eingesetzt. Studien deuten darauf hin, dass kognitive Funktionen stabilisiert oder verbessert1 und auch Stimmung sowie allgemeines Wohlbefinden positiv beeinflusst werden können2,3. Diese klinischen Erfahrungen haben dazu geführt, dass TPS inzwischen auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen – darunter Morbus Parkinson – wissenschaftlich untersucht wird. Parkinson ist nach Alzheimer eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen mit über 10 Millionen Betroffenen weltweit. Neben motorischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit oder verlangsamten Bewegungen leiden viele Betroffene auch unter nicht-motorischen Beschwerden, zum Beispiel:
- Schlafstörungen
- Erschöpfung und Fatigue
- Stimmungsschwankungen oder depressive Symptome
- Einschränkungen der Lebensqualität
Mit den nun erstmals veröffentlichten Studien⁴⁻⁶ aus den USA und Italien liegen erste publizierte Daten zum Einsatz von TPS bei Parkinson-Patienten vor. Federführend waren dabei das Spaulding Rehabilitation Hospital und die Harvard Medical School in Boston unter Leitung von Prof. Felipe Fregni sowie die Universität Triest unter Leitung von Prof. Paolo Manganotti. Diese neuen Forschungsergebnisse markieren einen wichtigen Schritt in der wissenschaftlichen Weiterentwicklung der TPS und bilden die Grundlage für weitere Untersuchungen in diesem Indikationsbereich. Derzeit ist die TPS bei Parkinson noch ein sogenannter Off-Label-Use* – also eine Anwendung einer offiziell noch nicht zugelassenen Indikation. Ziel der aufgeführten Pilotstudien ist es, vorläufige wissenschaftliche Daten zu erheben, die zukünftige regulatorische Bewertungen unterstützen können.
Welche Effekte wurden in den einzelnen Studien beobachtet?
In den bisher veröffentlichten Untersuchungen wurden folgende Effekte berichtet; beurteilt wurden sie mit standardisierten Parkinson Skalen, die Motorik, Alltagsfunktionen, Stimmung und Schlaf erfassen (z.B. UPDRS, NMSS, PDQ 39, BDI II, PDSS 2).
- Verbesserungen motorische Symptome, darunter Ruhetremor6
- Verbesserungen nicht-motorische Symptome wie Stimmung und Schlafqualität5
- Verbesserungen kognitive Leistungsfähigkeit5
- Verbesserungen der Lebensqualität5,6
Bemerkenswert ist, dass die beobachteten Effekte in der US-Studie über den eigentlichen Behandlungszeitraum hinaus anhielten5. Gleichzeitig ist zu betonen, dass diese Ergebnisse aus frühen klinischen Studien stammen. Die Fallzahlen sind begrenzt, und weitere randomisierte, kontrollierte Studien sind erforderlich, um Wirksamkeit, Dauer möglicher Effekte und geeignete Patientengruppen genauer zu definieren.
Fazit: TPS bei Parkinson – ein Forschungsfeld in Entwicklung
Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) wird zunehmend als ergänzender Ansatz bei neurodegenerativen Erkrankungen untersucht. Erste Studien zu TPS bei Morbus Parkinson zeigen potenzielle Effekte sowohl auf motorische als auch auf nicht-motorische Symptome.
Für weitere Erkenntnisse und eine offizielle Zulassung für die Anwendung der TPS bei Patienten mit Parkinson sind zusätzliche Studien notwendig.
1 Cont, C., et al. (2025). Transcranial Pulse Stimulation in Alzheimer’s: Long-Term Feasibility and a Multifocal Treatment Approach. Brain Sciences, 15(8), 830. https://doi.org/10.3390/brainsci15080830
2 Matt, E., et al. (2022). Transcranial pulse stimulation (TPS) improves depression in AD patients on state-of-the-art treatment. Alzheimer’s & Dementia: Translational Research & Clinical Interventions, 8(1), e12245. https://doi.org/10.1002/trc2.12245
3 Chen, X., et al. (2024). Transcranial pulse stimulation in Alzheimer’s disease. CNS Neuroscience & Therapeutics, 30(2), e14372 . https://doi.org/10.1111/cns.14372
4 Gianlorenço, F., et al. (2025).Study Protocol: Investigating the Effects of Transcranial Pulse Stimulation in Parkinson’s Disease. Bioengineering, 12(7), 773;. https://doi.org/10.3390/bioengineering12070773
5 Gianlorenco, A. C., et al. (2026). Neuromodulation in Parkinson’s disease with transcranial pulse stimulation: Evidence of clinical efficacy and cortical oscillatory changes. Journal of Neurology, 273(1), 52. https://doi.org/10.1007/s00415-025-13558-3
6 Manganotti, P., et al. (2026). Effects of Transcranial Pulse Stimulation (TPS) as a potential “add-on” intervention in patients with Parkinson's disease. Parkinsonism Relat Disord. 142:108128. https://doi.org/10.1016/j.parkreldis.2025.108128
*Unter Off-Label-Use wird die Anwendung von CE-zertifizierten Medizinprodukten außerhalb der (medizinischen) Zweckbestimmung bzw. der zugelassenen Indikation(en) verstanden. Dies kann im Einzelfall auf Grundlage einer individuellen ärztlichen Entscheidung (ärztliche Therapiefreiheit) oder im Rahmen wissenschaftlicher Erhebungen bzw. klinischer Studien erfolgen. Zum jetzigen Zeitpunkt können keine Schlussfolgerungen hinsichtlich des klinischen Nutzens, der Sicherheit oder der Leistungsfähigkeit für die nicht CE-gekennzeichnete Indikation »Morbus Parkinson« gezogen werden. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken und sind nicht dazu bestimmt, die klinische Anwendung zu beeinflussen. Der Neurolith ist derzeit für die Behandlung des Zentralnervensystems bei Patienten mit Alzheimer-Erkrankung zugelassen.