EMTT bei muskuloskelettalen Erkrankungen: Ausgewählte klinische und experimentelle Studien
Die Extrakorporale Magnetotransduktions-Therapie (EMTT) ist ein nicht-invasives Therapieverfahren, das in der Orthopädie, Sportmedizin und Schmerztherapie zunehmend angewendet wird. Angesichts des wachsenden Interesses an elektromagnetischen Ansätzen bei chronischen Schmerzen und der muskuloskelettalen Regeneration ist eine strukturierte Übersicht der aktuellen klinischen und experimentellen Evidenz gerechtfertigt.
Die folgende Übersicht fasst veröffentlichte Daten nach Indikation zusammen und stellt zentrale Ergebnisse aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), prospektiven Studien und Laboruntersuchungen dar.1–8
Klinische Evidenz nach Indikation
Degenerative Wirbelsäulen- und Gelenkschmerzen
Eine in Deutschland durchgeführte monozentrische, randomisierte und placebokontrollierte Studie untersuchte EMTT bei Patienten mit Kniearthrose, Enthesiopathie der Rotatorenmanschette und lumbaler Spondylarthrose (N = 126).1 Die Teilnehmer erhielten acht EMTT-Behandlungen oder acht Scheinbehandlungen im wöchentlichen Abstand. Primärer Endpunkt war die Lebensqualität, die anhand der körperlichen und psychischen Summenskalen des SF-12-Fragebogens – Physical Component Summary (PCS) und Mental Component Summary (MCS) – beurteilt wurde. Die Schmerzintensität wurde als sekundärer Endpunkt mithilfe der visuellen Analogskala (VAS, 0–10) erfasst.
Im Vergleich zur Placebogruppe zeigte die EMTT-Gruppe nach 6 und 12 Wochen grössere Verbesserungen im SF-12 PCS sowie eine stärkere Schmerzreduktion.1 Diese Ergebnisse deuten auf eine mögliche Rolle der EMTT bei degenerativen muskuloskelettalen Erkrankungen hin, die durch chronische Schmerzen und funktionelle Einschränkungen gekennzeichnet sind.
In einer prospektiven randomisierten kontrollierten Studie mit Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen (N = 44 pro Gruppe; 87 Patienten ausgewertet) wurde eine konventionelle nicht-invasive Behandlung aus Physiotherapie und analgetischer Medikation über einen Zeitraum von sechs Wochen mit derselben Behandlung, ergänzt durch EMTT, verglichen.2 Die Studie berichtete über grössere Verbesserungen der Schmerzen und funktionellen Ergebnisse in der Gruppe, die zusätzlich EMTT erhielt. Da die Studie keine Scheinintervention umfasste, können unspezifische Behandlungseffekte nicht ausgeschlossen werden.
Enthesiopathien der Schulter
Eine weitere randomisierte und placebokontrollierte Studie untersuchte EMTT bei Enthesiopathien des Schultergelenks (N = 43).3 Die Patienten litten unter klinisch relevanten Schulterschmerzen aufgrund degenerativer Tendinopathien, die auf konservative nicht-invasive Behandlungen nicht angesprochen hatten.
Während des zwölfwöchigen Beobachtungszeitraums nahmen die VAS-Schmerzwerte in der EMTT-Gruppe deutlicher ab als in der Placebogruppe. Gleichzeitig verbesserten sich die Werte der körperlichen Komponente des SF-12 (PCS). Klinisch relevante unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet.3
Diese Ergebnisse tragen zur wachsenden Evidenzbasis für EMTT bei chronischen Enthesiopathien und degenerativen sehnenbezogenen Erkrankungen der Schulter bei.

Sportbedingte Tendinopathien und Osteitis pubis
Weitere prospektive klinische Studien liefern zusätzliche Erkenntnisse zur EMTT bei sportbedingten muskuloskelettalen Erkrankungen.
Bei Sportlern mit chronischer Achillessehnentendinopathie war die EMTT nach einem strukturierten Behandlungsverlauf mit einer Reduktion belastungsabhängiger Schmerzen und Verbesserungen in validierten Scores zur Sehnenfunktion verbunden.4
In einer prospektiven Fallserie mit Sportlern mit chronischer aseptischer Osteitis pubis wurde die EMTT ebenfalls mit einer Abnahme der Schmerzen und einer Rückkehr zum Sport in Verbindung gebracht, wenn eine etablierte konservative Therapie zuvor keine ausreichende Verbesserung erzielt hatte.5
Obwohl diese Studien durch die Stichprobengrösse und die nicht placebokontrollierten Studiendesign eingeschränkt sind, deuten sie darauf hin, dass EMTT in sportmedizinischen Situationen mit hohen körperlichen Anforderungen eine ergänzende nicht-invasive Option darstellen könnte.
Biologische Grundlagen – Erkenntnisse aus Laboruntersuchungen
Experimentelle Studien liefern Erkenntnisse über zelluläre Reaktionen auf EMTT unter Laborbedingungen.
Die In-vitro-Exposition humaner, aus dem Knochenmark gewonnener mesenchymaler Stammzellen gegenüber EMTT erhöhte angiogene Mediatoren wie den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) und verstärkte die Expression osteogener Differenzierungsmarker.6 Diese Ergebnisse weisen auf eine mögliche Stimulation vaskulärer Signalwege und der Reifung knochenbildender Zellen hin.
Weitere experimentelle Untersuchungen zeigten unter EMTT-Stimulation eine erhöhte Osteoblastenaktivität und verstärkte Mineralisierungsprozesse. Dies deutet auf eine Modulation knochenbezogener zellulärer Prozesse in vitro hin.7
Eine separate In-vitro-Studie identifizierte Veränderungen in humanen Tenozyten, die mit zellulärer Seneszenz und dem Umbau der extrazellulären Matrix verbunden waren.8
Zentrale Erkenntnisse für die klinische Praxis
- EMTT wurde in prospektiven klinischen Studien zu degenerativen Gelenkerkrankungen, Enthesiopathien und chronischen unspezifischen Rückenschmerzen untersucht. Dazu gehören randomisierte kontrollierte Studien mit bis zu N = 126 Teilnehmern.1–3
- In einer scheinkontrollierten Studie war EMTT im Vergleich zur Scheinbehandlung über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 12 Wochen mit einer stärkeren Reduktion der Schmerzen gemäss VAS und grösseren Verbesserungen der körperlichen Funktion gemäss SF-12 PCS verbunden.1 Eine kleinere randomisierte Studie zu chronischen unspezifischen Rückenschmerzen berichtete über grössere Verbesserungen der Schmerzen und funktionellen Ergebnisse, wenn EMTT ergänzend zur konventionellen Behandlung eingesetzt wurde.2
- Nicht kontrollierte prospektive Studien zu sportbedingten Indikationen berichteten nach der EMTT-Behandlung über eine Reduktion der Schmerzen sowie Verbesserungen funktioneller Ergebnisse beziehungsweise der Rückkehr zum Sport. Diese unterstützenden klinischen Beobachtungen sollten in weiteren kontrollierten Studien untersucht werden.4,5
- In den klinischen Untersuchungen wurde EMTT insgesamt als gut verträglich beschrieben. Die unerwünschten Nebenwirkungen waren überwiegend leicht und vorübergehend, beispielsweise vorübergehende lokale Schmerzen oder Hautrötungen.1–3
- Experimentelle Studien berichteten über zelluläre Reaktionen im Zusammenhang mit angiogenen und osteogenen Prozessen unter EMTT-Exposition.6,7 Darüber hinaus wurden in humanen Tenozyten Veränderungen beobachtet, die Prozesse der zellulären Seneszenz und des Umbaus der extrazellulären Matrix betreffen.8 Für die Übertragung auf den Menschen bedarf es weiterer Untersuchungen.
Fazit: Einordnung der EMTT in die evidenzbasierte muskuloskelettale Versorgung
Zusammenfassend deutet die derzeitige Literatur darauf hin, dass die Extrakorporale Magnetotransduktions-Therapie eine vielversprechende nicht-invasive Ergänzung innerhalb multimodaler Behandlungskonzepte für ausgewählte Patienten mit chronisch-degenerativen muskuloskelettalen Erkrankungen und anhaltenden Schmerzen darstellen könnte.
Diese Übersicht richtet sich an medizinische Fachkreise und fasst veröffentlichte Literatur zusammen. Klinische Entscheidungen sollten auf der individuellen Beurteilung des Patienten, dem jeweiligen regulatorischen Zulassungsstatus und den aktuellen klinischen Leitlinien basieren.
Literatur
1. Hollander, K., et al. (2026). Extracorporeal magnetotransduction therapy (EMTT) for management of musculoskeletal disorders: A double-blind, placebo-controlled, randomised trial. Journal of Back and Musculoskeletal Rehabilitation, 39(3), 885-895. https://doi.org/10.1177/10538127251400083
2. Krath, A., et al. (2017). Electromagnetic transduction therapy in non-specific low back pain: A prospective randomised controlled trial. Journal of Orthopaedics, 14(3), 410-415. https://doi.org/10.1016/j.jor.2017.06.016
3. Gerdesmeyer, L., et al. (2023). Prospective double blinded placebo controlled trial of high energetic magneto transduction therapy in shoulder joint enthesiopathies. Sports Orthopaedics and Traumatology, 39(2), 212. https://doi.org/10.1016/j.orthtr.2023.03.045
4. Gerdesmeyer, L., et al. (2017) Electromagnetic Transduction Therapy for Achilles Tendinopathy: A Preliminary Report on a New Technology. The Journal of Foot and Ankle Surgery, 56(5), 964-967. https://doi.org/10.1053/j.jfas.2017.06.014
5. Klüter, T., et al. (2018) Electromagnetic Transduction Therapy in Patients with Chronic Aseptic Osteitis Pubis. Journal of Orthopedic Research and Therapy, 3(12), 1113. DOI: 10.29011/2575-8241.001113
6. Gerdesmeyer, L., et al. (2022) Stimulation of human bone marrow mesenchymal stem cells by electromagnetic transduction therapy – EMTT. Electromagnetic Biology and Medicine, 41(3), 304-314. https://doi.org/10.1080/15368378.2022.2079672
7. Gerdesmeyer, L., et al. (2024) Extracorporeal Magnetotransduction Therapy as a New Form of Electromagnetic Wave Therapy: From Gene Upregulation to Accelerated Matrix Mineralization in Bone Healing. Biomedicines, 12(10), 2269. https://doi.org/10.3390/biomedicines12102269
8. Mancini, M., et al. (2025) Electromagnetic Transduction Therapy (EMTT) Enhances Tenocyte Regenerative Potential: Evidence for Senolytic-like Effects and Matrix Remodeling. International Journal of Molecular Sciences, 26(15), 7122. https://doi.org/10.3390/ijms26157122