EMTT vs. PEMF: Was ist der Unterschied?
Technische und klinische Unterschiede bei Muskel-Skelett-Erkrankungen
Die Therapie mit gepulsten elektromagnetischen Feldern (PEMF) und die Extrakorporale Magnetotransduktions-Therapie (EMTT) werden häufig unter dem Oberbegriff »Magnetfeldtherapien« zusammengefasst. Beide Therapieansätze kommen in klinischen Bereichen wie der Orthopädie, Sportmedizin, Physiotherapie und Schmerztherapie zum Einsatz, insbesondere im Zusammenhang mit Muskel-Skelett-Erkrankungen. Allerdings unterscheiden sich die zugrunde liegenden physikalischen Eigenschaften und biologischen Wechselwirkungen beider Methoden erheblich. Was unterscheidet die EMTT von der PEMF? Die folgende Übersicht zeigt die Gemeinsamkeiten und wesentlichen Unterschiede auf.
Gründe, warum EMTT und PEMF häufig als ähnlich angesehen werden
Im klinischen Praxisalltag werden die EMTT und die PEMF teilweise als vergleichbare Technologien angesehen. Der Grund dafür liegt darin, dass beide zur übergeordneten Kategorie der magnetfeldbasierten Therapien gehören und gepulste elektromagnetische Felder als Behandlungsmethode nutzen. Zudem weisen sie mehrere praktische Merkmale auf:
- sie sind nicht-invasive ambulante Eingriffe
- sie werden in der Regel an vollständig bekleideten Patienten durchgeführt
- sie werden in Therapiekonzepten zur Behandlung chronischer Schmerzen und zur Geweberegeneration eingesetzt
Diese Ähnlichkeiten im Hinblick auf die Anwendung können den Eindruck erwecken, dass beide Technologien vergleichbare biologische Effekte aufweisen. Jedoch zeigt ein genauerer Blick auf ihre physikalischen Parameter wichtige Unterschiede hinsichtlich der Art und Weise, wie elektromagnetische Energie erzeugt und in biologisches Gewebe appliziert wird.
Wesentliche Unterschiede zwischen EMTT und PEMF
Trotz gewisser Ähnlichkeiten in puncto Anwendung unterscheiden sich die EMTT und die PEMF in Bezug auf mehrere wichtige technische und physiologische Aspekte.
Frequenz und Anstiegszeit
Bei der EMTT kommen hohe Schwingungsfrequenzen im Bereich von etwa 100–300 kHz in Kombination mit kurzen Anstiegszeiten im Mikrosekundenbereich zum Einsatz. Das bedeutet, dass innerhalb eines einzelnen EMTT-Impulses mehrere schnelle magnetische Schwingungen auftreten. Im Gegensatz dazu erzeugen PEMF-Systeme in der Regel einen einzigen, langsameren Magnetimpuls mit deutlich niedrigeren Frequenzen und allmählicheren Magnetfeldänderungen.
Vergleich eines einzelnen EMTT- und PEMF-Pulses
Effektive Transduktionsleistung und Eindringtiefe
Mit einer effektiven Transduktionsleistung von mehr als 60 kT/s zeichnet sich die EMTT durch einen hohen Energieübertragungsgrad aus. Quantitative Messungen haben eine elektromagnetische Stimulation in Gewebetiefen von bis zu etwa 18 cm nachgewiesen. Dies unterscheidet die EMTT von traditionellen Magnetfeldtherapien, die in der Regel andere technische Merkmale aufweisen.
Neuromuskuläre Reaktion während der Behandlung
Die EMTT weist deutlich höhere Schwingungsfrequenzen als viele PEMF-Systeme auf und ist nicht dazu bestimmt, eine direkte neuromuskuläre Stimulation zu bewirken. Zwar können Magnetfelder unter entsprechenden Stimulationsbedingungen eine neuronale Depolarisation bewirken, allerdings sind während einer EMTT-Behandlung in der Regel keine sichtbaren Muskelkontraktionen zu beobachten. Dies deutet darauf hin, dass die Eigenschaften des applizierten Signals vorwiegend über nicht-neuromuskuläre Mechanismen mit dem Gewebe interagieren.
Patientenkomfort während der Anwendung
Da die EMTT normalerweise keine neuromuskuläre Aktivierung auslöst, kommt es bei den Behandlungen in der Regel nicht zu unwillkürlichen Muskelzuckungen. Die Therapie wird während der Anwendung daher für gewöhnlich als sanft und gut verträglich empfunden, während gleichzeitig die hochenergetischen elektromagnetischen Impulse dennoch eine wirksame Stimulation des Zielgewebes bewirken.
Klinische Anwendungen der EMTT
Aktuelle klinische Studien zur EMTT konzentrieren sich in erster Linie auf chronische Muskel-Skelett-Erkrankungen. Zu den untersuchten Indikationen gehören:
- Degenerative Gelenkerkrankungen: Verschleisserkrankungen wie Arthrose (Knie, Hüften, Hände, Schultern, Ellenbogen), Bandscheibenvorfälle, Spondylarthrose
- Schmerzen: (chronische) Schmerzen, z. B. Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen, Verspannungen, Radikulopathie
- Sportverletzungen: (chronische) Entzündungen an Sehnen und Gelenken, Sehnenüberlastungssyndrome, Osteitis pubis

In mehreren prospektiven und randomisierten Studien wurden klinisch relevante Verbesserungen der Schmerz- und Funktionsergebnisse bei Erkrankungen wie Enthesiopathien der Schulter, chronischer Tendinopathie des Mittelteils der Achillessehne und Osteitis pubis nachgewiesen.1,2,3
Bei Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen wurde die EMTT darüber hinaus als Therapieergänzung zur traditionellen Therapie untersucht, wobei während der Nachbeobachtungsphase Verbesserungen bei den Schmerzscores und Behinderungsindizes beurteilt wurden.4
Zudem wurde die Anwendung der EMTT in Kombination mit der Extrakorporalen Stosswellentherapie (ESWT) untersucht. Studien deuten darauf hin, dass die Kombination aus mechanischer Stimulation und elektromagnetischer Stimulation die Therapieergebnisse bei bestimmten Muskel-Skelett-Erkrankungen weiter verbessern könnte.5–9
In ersten Fallberichten und Machbarkeitsstudien wurde zudem die Einbeziehung der EMTT in Behandlungsstrategien für komplexe Knochenheilungsszenarien, einschliesslich von Non-Union-Frakturen und postoperativer Knochenstimulation, beschrieben.6,8,9
Evidenzdaten: EMTT vs. PEMF
Derzeit gibt es keine klinischen Head-to-Head-Studien zum Vergleich von EMTT und PEMF. Aus diesem Grund werden die Unterschiede zwischen den beiden Technologien vorwiegend anhand ihrer physikalischen Eigenschaften und der für die jeweilige Behandlungsmethode vorliegenden klinischen Evidenzdaten bewertet.
Experimentelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich die EMTT auf biologische Prozesse auswirken könnte, die für die Geweberegeneration wichtig sind. In-vitro-Studien haben Auswirkungen auf das Verhalten der Tenozyten, die Remodellierung der extrazellulären Matrix sowie die Osteoblastendifferenzierung während der Knochenbildung nachgewiesen.10,11
Im klinischen Umfeld wurde die EMTT im Rahmen mehrerer prospektiver und randomisierter Studien mit Schwerpunkt auf chronischen Muskel-Skelett-Erkrankungen untersucht, darunter degenerative Gelenkerkrankungen, Enthesiopathien der Schulter, chronische Tendinopathie der Achillessehne, Osteitis pubis und nicht-spezifische Kreuzschmerzen.1-5
Weitere Fallberichte und Daten aus Pilotstudien deuten auf einen Nutzen hin, wenn die EMTT bei komplexen Knochenheilungsszenarien in Kombination mit der ESWT angewendet wird, darunter Non-Unions kleiner Knochen und die postoperative Frakturbehandlung sowie bei Off-Label-Anwendungen wie Schmerzen nach einer Strahlentherapie bei gynäkologischen Krebserkrankungen.12,6-9
In allen diesen Studien wurde die EMTT im Allgemeinen gut vertragen, wobei die aufgetretenen unerwünschten Ereignisse überwiegend leicht und vorübergehend waren.3,5-9,11,12
Wichtige Überlegungen für die klinische Praxis
Für Fachärzte aus den Bereichen Orthopädie, Sportmedizin und Schmerztherapie können verschiedene Aspekte von Bedeutung sein, wenn sie im Falle von Muskel-Skelett-Erkrankungen eine elektromagnetische Behandlungsmethode in Betracht ziehen:
- Die EMTT und die PEMF sind nicht bedeutungsgleich, daher sollten sie nicht synonym verwendet werden. Die EMTT erfüllt bestimmte Kriterien hinsichtlich hoher Energie und hoher Frequenz, was sie von vielen traditionellen PEMF-Systemen unterscheidet.
- Bei bestimmten Muskel-Skelett-Erkrankungen wie degenerativen Gelenkerkrankungen, Tendinopathien und chronischen Rückenschmerzen hat die EMTT in prospektiven und randomisierten Studien klinisch relevante Verbesserungen hinsichtlich der Schmerz- und Funktionsergebnisse gezeigt.
- Die EMTT kann insbesondere dann von Bedeutung sein, wenn tiefere anatomische Strukturen wie die Hüfte, die Wirbelsäule oder die Enthesen behandelt werden sollen oder wenn eine mechanische Stimulation (ESWT) mit Ansätzen zur bioelektrischen Stimulation kombiniert wird.
- Bei der Bewertung elektromagnetischer Behandlungstechnologien sollten Unterschiede bei den physikalischen Parametern wie die Magnetfeldstärke, Schwingungsfrequenz und effektive Transduktionsleistung berücksichtigt werden.
Referenzen
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